Reportage von den Nordseefighter Open 2010 06.00.2010 
Nordlicht
Reportage von den Nordseefighter Open 2010 in Wilhelmshaven
Von Yvonne Thorhauer
Die treuen Starter der WKA müssen zumeist in den südlichen Raum Deutschlands
reisen, um sich ihre Ranglistenpunkte zu erkämpfen. Das einzige etablierte Nordlicht
war das Turnier Dacascos Open in Hamburg. Dies änderte sich, als vor zwei Jahren
die Nordseefighter Open zum WKA-Wertungsturnier avancierten. Vergangenes
Jahr war das Turnier in Wilhelmshaven noch eine D-Wertung. Heute, am 15. Mai
2010, ist es als C-Wertungsturnier und damit nicht weniger von Bedeutung für die
Rangliste als die traditionellen Turniere in Öhringen, Kornwestheim, Niefern,
Lauterbach und Simmern.
 
  Entsprechend verzeichnet der Veranstalter, Sigung Stefan Becker, auch einen
Zuwachs an Teilnehmern des vergleichsweise kleinen Turniers, das es immerhin
schon seit 25 Jahren gibt. Neu sei vor allem, dass seit der Zusammenarbeit mit der
WKA auch Starter aus Kornwestheim, Berlin und Thüringen angereist kämen. Es
hat sich also gelohnt, dass er viel Werbung für sein Turnier gemacht hat - sowohl
auf anderen Veranstaltungen als auch auf dem Postweg.
Der gebürtige Wilhelmshavener ist zufrieden mit den Teilnehmerzahlen und mit dem
Niveau der Starter. Der sympathische Blondschopf, heute gut erkennbar an seinem
schneeweißen Trainingsanzug mit silberner Schrift, macht seit 38 Jahren
Kampfsport und hält den 7. Meistergrad im Hung-Gar Kung-Fu inne.
Gelernt hat er bei dem mittlerweile verstorbenen Meister Lee Keung. Beschränkt
hat er seine Aktivitäten allerdings nicht auf das Kung-Fu: auch im Leichtkontakt,
Kata-Soft, Bruchtest, Waffen- und Musikformen, in Selbstverteidigung und sogar in
Show-Klassen war er schon erfolgreich. Bislang war er 4 Mal Weltmeister, 15 Mal
Europa- und 29 Mal Deutscher Meister im Kung-Fu und Kickboxen. Seit 1985 hält
der Großmeister den Vorsitz der Kampfsportgemeinschaft Lo-Han e.V., dem
größten gemeinnützigen Kung-Fu Verein Deutschlands. Der Landessportbund
Niedersachsen, dem er zugehörig ist, ehrt zur Eröffnung seine Leistungen und
Beiträge im Bereich des Kampfsports.
Circa 400 Starter haben den Weg in die Halle mit dem schönen Namen Nordfrost-
Arena gefunden – darunter jene eifrigen Formenläufer und Kämpfer, die man
ohnehin auf den meisten Turnieren quer durch Deutschland findet. Leider ist kaum
ein WKA-Bundestrainer an die Nordsee gereist. Offen ist das Turnier für alle Stile
und Verbände, auch Kinder und Jugendliche können teilnehmen – außer im
Leichtkontakt. Die Sieger sammeln nicht nur 50 Punkte für die WKAWeltmeisterschaft,
sondern qualifizieren sich auch für die World Martial Arts
Games 2010 in Las Vegas. Darüber hinaus können die Gewinner und Grand
Champions Sach- und Geldpreise im Wert von insgesamt rund 15.000 Euro
erhalten. Thomas Landau von WKA-Leichtkontakt-Team - der sich übrigens als
hervorragender Babysitter erweist - lobt die ausgesprochen schönen Säulenpokale,
welche die ersten drei jeder Klasse erhalten. Auch die Schule mit der weitesten
Anreise bekommt einen Pokal.
Die Leichtkontaktler sind zufrieden mit ihrer Disziplin, die gleich zu Beginn des
Turniers mit den Herren startet. Besonders lobenswert ist für Bundestrainer Guido
Rödel die Tatsache, dass auf dem bloßen Hallenboden gekämpft wird. Denn die
Verletzungsgefahr auf den neuen glatten Matten, die auf den letzten WKA-Turnieren
verwendet wurden, sei extrem gewesen. Nun könne man sich endlich wieder auf das
Kämpfen konzentrieren und nicht darauf, dass einem möglicherweise der Boden
unter den Füßen weggleite, so der Leverkusener. Abgesehen davon habe man in
Wilhelmshaven die Gelegenheit, sich auf die Taktung der Weltmeisterschaft
einzustellen, da auch die Vorkämpfe über zwei Runden gehen, allerdings mit nur 90
Sekunden pro Runde – bei der Weltmeisterschaft werden es zwei Minuten sein.
Leider greifen die Kampfrichter im Leichtkontakt nicht ausreichend durch. Kaum
Ermahnungen wo sie nötig wären, auch harte Schläge werden selten ermahnt.
Auch im Pointfighting gibt es Irritationen bezüglich der Kampfrichterleistung.
Deutliche Punkte werden nicht gezählt, keine Berührungen werden als Treffer
gewertet. Man habe den Eindruck, als wüssten manche nicht recht, was überhaupt
gewertet werden soll, stellt Meike Danlowski enttäuscht fest. Sie selbst hat es
allerdings geschafft ihre Klassen im Pointfighting und Leichtkontakt zu gewinnen.
Leider war kein Offizieller der WKA anwesend, der für das Pointfighting zuständig ist
und ein Auge auf die Kampfrichterleistung hätte werfen können. Die Bereitschaft
mancher eine längere Strecke in den Norden zu fahren, ist nicht recht groß. Umso
wichtiger, dass sich die WKA nun mehr auf die nördliche Hälfte Deutschlands
konzentriert, um auch hier einen ordentlichen Stamm an Kämpfern, Offiziellen und
Kampfrichtern aufzubauen. Bei Letzterem wäre es sicher sinnvoll, Günther Kogucik
einzubinden, der in schon seit einigen Jahren von Hamburg aus quer durch
Deutschland reist, um für die WKA Kampfrichterlehrgänge zu leiten. Weiterhin
könnte er als Kampfrichterobmann auf den Turnieren für eine bessere Organisation
sorgen und die Leistung der Richter überwachen.
Trotz widriger Umstände gewinnt Laszlo Varga zwei Pointfighting-Klassen der
Herren. Bei den Junioren kämpft sich Marvin Lange auch in zwei Gewichtsklassen
an die Spitze. Doppelsieger bei den Kids ist Luca Kerkenhoff vom Nahkampfzentrum
Niedernhall. Die Veteranenklasse +85 gewinnt Matthias Kubiak, der sich heute
weiterhin über die Verleihung des 4. Dans freuen kann.
Aus Bad Segeberg angereist ist Sifu Jürgen von Wyszecki. Die Nordseefighter Open
sind für ihn das erste WKA-Turnier seit er sein Amt als Bundestrainer im Bereich
Formen abgelegt hat. Zu zeit- und kostenintensiv seien dem Meister im Wun Hop
Kuen Do Kung Fu die Anreisen vom Norden zu den Turnieren in den Süden
Deutschlands geworden. Er lobt die Leistungen bei den Formen und hebt Katja
Bremse hervor, die im Softstyle der Erwachsenen auf den zweiten Platz gelangt ist.
Sifu Jürgen selbst gewinnt heute die Klasse Waffen ohne Musik der Veteranen.
Lasse Dittmer aus Harmstorf belegt den ersten Platz beim Softstyle – einmal bei
den Kids und einmal bei den Junioren. Weiterhin gewinnt er bei den Junioren in
Waffen mit Musik. Jennifer Sojka, von der Sportschule Kimpfel, gewinnt bei den Kids
im Freestyle und im Korean Style den ganz großen Pokal. Simon Laß erreicht im
Free- und Hardstyle den ersten Platz. Kampfsportmeister Donald Jano ist auch
anwesend, erreicht allerdings nur Platz drei bei Waffen ohne Musik der Veteranen.
Die Kinder des stolzen Vaters sind indessen sehr erfolgreich: Das Hardstyle der
Junioren gewinnt Giovanni, das Softstyle der Erwachsenen Elvira Jano.
Bis auf die Kampfrichter, die gegen Nachmittag immer mehr zur Mangelware
werden, findet das Turnier großen Anklang. Das Essen ist gut uns günstig, „die
meisten kaufen sich gleich mehrere Sachen zugleich“, meint eine Starterin. Auch hat
man hier die Gelegenheit auf neue Gegner zu treffen. So seien die Nordseefighter
Open zur Zeit das einzige Turnier, bei dem die WKA auf die Kickbox-Bundesliga
treffe, so Attila Fuhrmann, Gründer der KBBL im hessischen Fischbach. Froh ist er
auch, dass hier noch wenig mit den neuen Schuhen gekämpft wird, die seit Kurzem
zugelassen sind. Treffe die Sohle bei einem Tritt auf die Haut, so könne dies zu
größeren Abschürfungen führen, einige Tritte ins Gesicht könnten die Kämpfer, die
ja in der Regel am Montag darauf wieder auf der Arbeit seien, sehr ramponieren.
Bei der Kickbox-Bundesliga würden diese Schuhe nicht erlaubt werden.
Insgesamt sind die Nordseefighter Open eine Reise wert. Bundestrainer Guido Rödel
plant, wie einige andere, nächstes Jahr wieder zu kommen. Jenen, die im nächsten
Jahr auch an die Nordsee kommen wollen sei gesagt, dass es ein Wellness-Hotel
direkt am Deich gibt. Das Columbia-Hotel hat eine Sauna für den Vorabend und ein
gesundes reichhaltiges Frühstücksbüffet für den Morgen (nachdem man kurz einen
Abstecher in die Halle zum Wiegen gemacht hat). Für jene, die wenig finanziellen
Spielraum haben, gibt es wieder die Möglichkeit – sowohl in der Nacht vor als auch
nach dem Turnier – in der Nordfrost-Arena zu schlafen, versichert der Veranstalter
Stefan Becker. Und keine Angst: so kalt, wie es sich anhört, wird es nicht.
Yvonne Thorhauer


Wilhelmshaven_2010.pdf
results_fight_Nordseefighter.pdf
results_forms_Nordseefighter.pdf