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| Reportage vom Deutschlandpokal 2010 von Yvonne Thorhauer + Ergebnisse
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03.00.2010 |
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Nein, Billard-Tische gibt es keine in der Hohenloher Sporthalle in Öhringen. Doch wozu tragen eifrige Helfer die Queues am Morgen des 20. März 2010 hinein? Patrizio Mila will einen Weltrekord aufstellen. Mehr als 13 Queues will der Gummersbacher mit dem Fuß zertreten - er schafft 29 in deutlich weniger als einer Minute.
Dann kann der Turniertag fast pünktlich beginnen. 876 Starts registrieren die Veranstalter Harald Wied und Markus Guttenson. Davon 644 deutsche Kämpfer und 193 Formenläufer. Andere Kämpfer kommen aus Kroatien, Österreich, Italien, Schottland und der Schweiz in die beschauliche Kleinstadt. Am weitesten sind die Kanadier gereist, die zur Zeit bei einer Kampfsportschule in Niedernhall Beine und Fäuste schwingen.
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Im vergangenen Jahr konnte der Deutschlandpokal die magische Grenze von eintausend Startern überschreiten. Indessen findet Harald Wied die heutige Anzahl optimal für die Halle. Die Veranstalter vom Kickboxteam Öhringen/Franken hatten eine kurze Nacht. Dafür sind sie zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung – kein Wunder, können doch beide auf ein großes und zuverlässiges Team zurückgreifen, das sich über Jahre bewährt hat. Heute ist es erkennbar an den roten Polo-Shirts, auf deren Rückseite „STAFF“ in weiß prangt. Für das leibliche Wohl der Besucher ist wie immer hervorragend von den Öhringer Frauen gesorgt. Es gibt unter anderem Salate, Leberkäse, Kartoffelsalat, belegte Brötchen und eine endlose Kuchenauswahl. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Donauwellen, das Rezept, so verrät eine der fleißigen Bäckerinnen, ist unter www.chefkoch.de hinterlegt (gleich unter der „1 Monat bis 16 kg abnehmen“-Anzeige).
Die neun Kampfflächen sind dieses Mal in der Mitte der Halle aufgebaut, damit die Zuschauer von mehreren Seiten Einsicht haben. Den meisten gefällt es, nur leider ist der Platz zwischen den Flächen äußerst knapp. Auf den Matten geht es zügig voran. Größere Verletzungen gibt es kaum, „nur ein paar Nasen“ stellt die Ärztin mit den raspelkurzen Haaren fest. Aber das ist beim Kickboxen keine große Überraschung.
Das Karate Kumite erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Besonders erfolgreich ist Ramin Farhatyar bei den Erwachsenen -70 kg und -75 kg. Thomas Lamm trägt den Sieg in -80 kg und -85 kg davon. Daniela Schaal erreicht den ersten Platz bei den Junioren -60 kg und +60 kg. Bei den Kids gewinnt Hannah Faust zwei Gewichtsklassen.
Im Hardstyle ist Diana Milanov besonders erfolgreich, die sowohl bei den Kids als auch bei den Junioren den ersten Platz belegt. Gleiches schafft Jennifer Sojka im Freestyle. Zudem ist sie Erste im Koreanstyle Kids. Leon Linse bekommt den ganz großen Pokal im Free- und Softstyle bis 12 Jahren sowie bei Waffen ohne Musik. Jasmina Redzic überzeugt bei Freestyle und Softstyle Kids sowie bei Waffen ohne Musik. Bei den Junioren sticht Aylin Madenci heraus mit ihren Siegen im Softstyle und Waffen ohne Musik. Katharina Müller gewinnt die beiden Erwachsenenklassen Softstyle und Waffen ohne Musik.
Wer heute im Leichtkontakt gewinnen will, muss sich durch gut gefüllte Klassen kämpfen. Die erfolgreichste Schule im Leichtkontakt ist – wie bereits vergangenes Jahr - das CK-Team Cologne-Kickboxers mit Trainer Frank Fiedler, gefolgt vom Kick-Boxing-Team Leverkusen. Entgegen aller Absichtsbekundungen ist die Härte im Leichtkontakt noch immer nicht gemindert worden. Auch erfahrene Hauptkampfrichter greifen in dieser Hinsicht kaum durch.
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr bereiten die Punktrichter wieder Probleme – sowohl im Hinblick auf Qualität als auch auf Quantität. Auf 45 gemeldete Referees müsste Kampfrichterobmann Günther Kogucik eigentlich zurückgreifen können, tatsächlich angereist ist jedoch nur ein Bruchteil davon. Also richten zahlreiche Personen, die Kogucik noch nie auf einem Kampfrichter-Seminar gesehen hat. Entsprechend unzufrieden sind Trainer und Schüler. Im Leichtkontakt fällt weiterhin auf, dass eine Fläche durchgehend mit qualifizierten Kampfrichtern besetzt ist und die andere mit weniger erfahrenen. Besser wäre es, die Besetzungen zu mischen.
Besonders verärgert über eindeutige Fehlentscheidungen auf den Pointfighting-Flächen sind Bundestrainer Stergi Sarantoudis und Guido Rödel. Hier wird sich künftig etwas ändern müssen. Man kann nur hoffen auf eine rege Teilnahme am nächsten Kampfrichter-Lehrgang, der in Öhringen stattfinden wird. Davon abgesehen gewinnt der Kanadier Robert Lavoie zur Recht zwei Gewichtsklassen bei den Herren. Bei den oberen beiden Klassen siegt Michael Reiser. Bei den Junioren erreicht Stefanie Megerle zwei erste Plätze. Bei den Junioren und Kids gewinnen die Kroaten zahlreiche Klassen.
Bundestrainer Dirk Hilgert, der wegen einer Verletzung nicht selbst kämpfen kann, lobt besonders die Leistung von Andreas Schedelik, wenngleich dieser das Finale gegen einen Italiener verloren hat sowie von Christoph Herold, der dem starken Kanadier unterliegt. Robert Ulbrich unterstützt mit seiner Arbeit wieder das Pointfighting-Team auf den Flächen. Im April werden er und die Bundestrainer mit einem ausgewählten Team zu den Greek-Open fliegen, dem ersten Turnier der WKA-World-Series.
Im Rahmen der World Series finden ab 2010 weltweit Wertungsturniere der WKA statt. Das erste am 18.4. in Athen, gefolgt von Simmern am 26.6., Birmingham am 11.7., der Weltmeisterschaft in Schottland vom 23. bis 30. Oktober und am 13.11. im kanadischen Toronto. Für die World Series wird Präsident Klaus Nonnemacher eine eigene Ranglisten erstellen. Wer dort unter den ersten fünf ist, hat das Recht, um einen Pro-Am-Titel im Leichtkontakt oder im Pointfighting zu kämpfen.
Weiterhin treibt Klaus Nonnemacher die Entwicklung der WKA-Datenbank voran. Bald wird jedes WKA-Mitglied seine eigene E-Mail-Adresse bekommen, ein Blog soll eingerichtet werden und eine Verlinkung der Mitglieder-Seiten mit Facebook und YouTube. Bereits heute seien über 10.000 Videos gepostet, so der WKA-Präsident. Darunter befinden sich fast alle Finalkämpfe der vergangenen Weltmeisterschaft im spanischen Huelva – anzuschauen unter www.youtube.com/wkaworld. Sämtliche Finale nebst Siegerehrungen wurden von KICKgen in HD-Qualität aufgenommen und werden bald komplett im Netz verfügbar sein.
Gern tragen heute die Sieger ihre großen Pokale mit nach Hause. Gegen 20 Uhr ist die Sporthalle fast leer. Umso voller ist es bei dem ortsansässigen McDonald’s. Doch hier wird nicht nur der weltweite Hamburger-Konsum angekurbelt. Einer Sportschule mit schwarz-weißen Trainingsanzügen hat es die karminrote Außenwand des Restaurants besonders angetan, die sie in der Dunkelheit als Hintergrund für ihr Pokal-Mannschafts-Fotoshooting nutzt. Sie werden gar nicht müde - und immer, wenn man denkt, sie hätten alle Posen durch, fallen den Männern wieder neue ein.
Sport verbindet die Menschen. McDonald’s auch. Und wenn man beides miteinander kombinieren kann: umso besser. Jedenfalls bis man das nächste Mal auf die Waage gestellt wird und hört, dass man ein Kilo zuviel auf den Rippen hat, um in der gewünschten Gewichtsklasse zu starten. Wir sehen uns Ende April beim Joggen – in Niefern!
YVONNE THORHAUER
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